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Neurovaskuläre Netzwerke (NVN) gehen an den Start

Im Dezember 2011 wurde von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) zur Bewerbung für die Pilotphase der Etablierung neurovaskulärer Zentren aufgerufen. Hintergrund dieses Aufrufes war ein Wildwuchs verschiedenster sogenannter „Neurozentren", die sehr unterschiedliche Konzepte vertraten, und der Versuch, eine einheitliche, verlässliche und qualitätsgesicherte Schlaganfallversorgung zu etablieren.

Die Arbeitsgruppe Neurovaskuläre Netzwerke (AG NVN) erarbeitete Kriterien für die Etablierung eines Neurovaskulären Zentrums mit der Vorhaltung einer neurologischen, neurochirurgischen, neuroradiologischen und neurointensivmedizinischen Versorgung auf höchstem Niveau; weitere Kooperationspartner sind die Kardiologie, Gefäßchirurgie, und andere (z.B. Neuroophthalmologie, Strahlentherapie, Angiologie, Hämostaseologie). Es handelt sich also um eine überregionale Versorgungsstruktur, in der alle Patienten mit neurovaskulären Erkrankungen, auch seltenen Entitäten, interdisziplinär unter besonderer Berücksichtigung innovativer Therapiekonzepte versorgt werden können.

Die initiale Namensgebung „Neurovaskuläres Zentrum" wurde in einer Abstimmung auf der DSG Mitgliederversammlung im September 2012, insbesondere auch in Absprache mit den leitenden Krankenhausneurologen, in „Neurovaskuläres Netzwerk" (NVN) geändert, um den Netzwerkcharakter und die überregionale Versorgungsstruktur im Netzwerk und die enge Kooperation der Neuro-Fächer zu betonen. Ein NVN besteht aus einem koordinierenden Zentrum mit überregionaler Stroke Unit, einer neurochirurgischen, neuroradiologischen und gefäßchirurgischen Abteilung unter besonderer Berücksichtigung innovativer Therapiekonzepte sowie weiteren Einrichtungen zur Versorgung komplexer Schlaganfallpatienten und fest eingebundenen Netzwerk-Kliniken.

Bis März 2012 hatten sich 36 Neurovaskuläre Netzwerke um die Teilnahme an der Pilotphase beworben. Ursprünglich war geplant, in die Pilotphase jeweils 3 bis 5 universitäre Kliniken bzw. kommunale Krankenhäuser einzubeziehen. Aufgrund des enormen Interesses und der hohen Zahl der Antragsstellungen hat die AG NVN sich dann auf einen Kompromiss geeinigt und in einem aufwändigen Verfahren 16 Antragsteller (10 Universitätskliniken und 6 kommunale Häuser) ausgewählt. Die Qualität der eingereichten Anträge war ausgesprochen hoch, so dass es nicht einfach war, eine Auswahl zu treffen. Die Anträge wurden hinsichtlich der Leistungszahlen der neurochirurgischen, neuroradiologischen Versorgung und auch der bestehenden Vernetzung in der Region analysiert und bewertet. Des Weiteren wurden auch regionale Aspekte in Erwägung gezogen, um Konzentrationen in Ballungszentren zu vermeiden.

Die Benachrichtigungen bezüglich der Annahme oder Ablehnung wurden im Dezember 2012 versandt. Die AG NVN, bestehend aus Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft wird nun im nächsten Schritt zusammenkommen, um eine weitere Konkretisierung der qualitätssichernden Leistungszahlen zu vereinbaren. Die konsentierten Qualitätskriterien werden sowohl den Pilotzentren als auch den abgewiesenen Antragsstellern zugesandt werden. Es ist geplant, bis Ende des Jahres den weiteren Antragstellern basierend auf den konsentierten Qualitätskriterien eine Wiedereinreichung bzw. Neueinreichung und Aufnahme in die Pilotphase zu ermöglichen. Zu diesem Zeitpunkt soll dann zur Evaluierung der Pilotzentren ein Peer-Review Verfahren eingeleitet werden.

In diesem Zeitraum können Netzwerke, welche die Bedingungen für ein Pilotzentrum noch nicht ganz erfüllen, ihren Antrag entsprechend ergänzen. Auch Neuanträge sind möglich. Anfangs können zur Implementierung des Konzeptes ggf. die Kriterien weniger streng ausgelegt werden, um auch Netzwerke anzusprechen, die nicht alle geforderten Kriterien in der koordinierenden Klinik selbst erfüllen, jedoch innerhalb des Netzwerks gewährleistent sind (s. o.).Ab Ende des Jahres 2013 soll ein Peer Review Verfahren eingeleitet werden, d.h. zunächst wird auf die ursprünglich beabsichtigte Zertifizierung verzichtet und auf später verschoben.

Die Arbeitsgruppe Neurovaskuläre Netzwerke sieht in die Vielzahl der eingereichten hochwertigen Anträge eine Bestätigung des Konzepts und der Notwendigkeit, die bestehenden Strukturen zu bündeln und durch die feste Etablierung Neurovaskulärer Netzwerke zu stärken.

  

Redaktion
Prof. Dr. med. Otto Busse, Prof. Dr. med. Joachim Röther