Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft


 

Versorgung des ischämischen Schlaganfalls in Deutschland gehört in die Hände der neurologischen und neuro-/radiologischen Facharztdisziplinen

9. Mai 2016 – Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), der Deutschen Röntgengesellschaft, des Berufsverbands Deutscher Neuroradiologen (BDNR), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimalinvasive Therapie (DeGIR) und des Berufsverbands Deutscher Radiologen (BDR).

Der Schlaganfall ist in Deutschland mit ca. 260.000 Fällen jährlich eine der häufigsten Erkrankungen und die dritthäufigste Todesursache. Die Therapie der Wahl ist seit 20 Jahren die i.v.-Thrombolyse, das heißt die medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels, welches für den Hirninfarkt verantwortlich ist. Dieses Verfahren stößt jedoch bei Verschlüssen von großen Hirngefäßen an seine Grenzen. Viele Patienten überleben den Schlaganfall nur mit schweren und bleibenden Behinderungen, die Sterblichkeit ist hoch.
In der Behandlung des ischämischen Schlaganfalls ist mit dem Jahr 2015 ein neues Zeitalter angebrochen. Die endovaskuläre Therapie, das heißt die minimalinvasive Entfernung des Blutgerinnsels mithilfe eines Kathetersystems (Stent-Retriever) unter angiografischer Bildkontrolle, hat in mehreren internationalen Multicenterstudien eine hohe Wirksamkeit gezeigt. Damit wurde diese Therapieoption zur evidenzbasierten, führenden Behandlung des schweren ischämischen Schlaganfalls.

Flächendeckende Versorgung möglich
Deutschland treffen diese neuen Studienergebnisse nicht unvorbereitet. Das System der Stroke- Units der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft e.V. (siehe unten), ohnehin ein international führendes Versorgungsnetz, sieht bereits seit dem Jahr 2012 vor, dass die überregionalen Versorgungseinheiten über das fachärztliche Personal verfügen müssen, um den schweren Schlaganfall mittels Thrombektomie zu behandeln.
Die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. hat gemeinsam mit der Deutschen Röntgengesellschaft e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und Minimalinvasive Therapie ein Zertifizierungssystem eingerichtet, welches unter anderem die Mindestfallzahl von 100 endovaskulären Rekanalisationsbehandlungen vorsieht (siehe unten). Noch in diesem Jahr werden über 300 neuro-/radiologische Fachärzte über das Modul E „Rekanalisierende Maßnahmen“ verfügen. Mit dieser Zahl an hervorragend weitergebildeten Fachärzten ist eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung in Deutschland flächendeckend gewährleistet.

Mehr als 7.000 Eingriffe 2015 dokumentiert
Die Interventionen werden im DeGIR-Register für Qualitätsmanagement auf freiwilliger Basis dokumentiert. Für das Jahr 2015 wurden mehr als 7.000 neuro-interventionelle Rekanalisationsbehandlungen ausführlich dokumentiert. Diese Zahl zeigt, dass die Thrombektomie einen festen Bestandteil der Versorgungsrealität darstellt.

Interdisziplinäre Behandlung des akuten Schlaganfalls nur in zertifizierten Strukturen!
Die Kombination aus umfassender Weiterbildung, struktureller Klarheit und Qualitätssicherung ist einzigartig im internationalen Vergleich. Die unterzeichnenden Fachgesellschaften betonen, dass die Thrombektomie ausschließlich von neuro-/radiologischen Fachärzten durchgeführt werden sollte. Nur diese verfügen über das notwendige pathophysiologische und technische Wissen, das zur erfolgreichen Anwendung dieses minimalinvasiven Verfahrens an Hirngefäßen notwendig ist. Die Thrombektomie muss deshalb in das flächendeckende Netzwerk zertifizierter Stroke Units eingebunden sein. Nur in diesen Strukturen ist es möglich, die Sterblichkeit beim schweren Schlaganfall weiter zu senken und das Behandlungsergebnis für Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Berlin, im Mai 2016

 

Für die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) e.V.: Prof. Dr. Christoph Groden (Mannheim), Präsident

Für die Deutsche Röntgengesellschaft e.V.: Prof. Dr. Dierk Vorwerk (Ingolstadt), Präsident

Für den Berufsverband Deutscher Neuroradiologen (BDNR) e.V.: Prof. Dr. Ansgar Berlis (Augsburg), Präsident

Für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) e.V.: Prof. Dr. Ralf Gold (Bochum), Präsident

Für die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) e.V.: Prof. Dr. Martin Dichgans (München), 1. Vorsitzender

Für die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimalinvasive Therapie (DeGIR): Prof. Dr. Arno Bücker (Homburg), Vorsitzender

Für den Berufsverband Deutscher Radiologen (BDR) e.V.: Dr. med. Detlef Wujciak (Magdeburg), 1. Vorsitzender 

  

 Stroke Units in Deutschland & Neurovaskuläre Netzwerke

Deutschland verfügt über ausgezeichnete Versorgungsstrukturen zur Akutbehandlung des Schlaganfalls. Aktuell stehen bundesweit 279 von der DSG zertifizierte Stroke Units (SU) zur Verfügung. Es werden zwei Versorgungsstufen unterschieden: die regionalen SU mit 58 Prozent und die überreg ionalen SU mit einem Anteil von 38 Prozent, sowie telemedizinisch vernetzte SU (4 Prozent). Seit 2012 erfolgt die Zertifizierung überregionaler SU nur dann, wenn mindestens zwei Neuro-Interventionalisten vor Ort sind, die die Thrombektomie anbieten können. Eine strukturelle Weiterentwicklung des Systems sind die Neurovaskulären Netzwerke (NVN), die sich aktuell in der Pilotphase befinden. Bei den NVN werden überregionale Stroke Units mit einem Zentrum verknüpft, das über neurochirurgische und gefäßchirurgische Kompetenzen verfügt. Aufgabe der NVN ist die Behandlung sehr komplexer neurovaskulärer Erkrankungen.

Weitere Informationen unter  www.dsg-info.de

 

 eGIR/DGNR-Zertifizierung „Modul E“

Seit dem Jahr 2012 bietet die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und Minimalinvasive Therapie Zertifikate für die neuro- interventionellen Eingriffe an. „Modul E“, benannt nach der fortlaufenden Reihe interventionsradiologischer Behandlungsfelder, beinhaltet alle gefäßeröffnenden Maßnahmen sowohl außerhalb als auch innerhalb des Schädels (extra- und intrakraniell). Zu diesen Maßnahmen gehört  die  mechanische Thrombektomie. 100 Eingriffe müssen für den Modulerwerb dokumentiert sein, davon mindestens je 30 extra- und 30 intrakraniell. Zugangsvoraussetzung ist der Facharzt für Radiologie.

Weitere Informationen unter www.dgnr.org

 

Quellen

Die unterzeichnenden Fachgesellschaften haben seit 2015 noch folgende weitere Papiere verabschiedet:

Übernahme des ESO – ESMINT – ESNR – Papiers und Statement zur Versorgungssituation in Deutschland. Mai 2015:
http://www.dgnr.org/de-DE/126/positionspapier-thrombektomie

Thrombektomie beim Schlaganfall: Schnellste Transporte und Netzwerkbildung erforderlich. Oktober 2015:
http://www.dgnr.org/de-DE/141/thrombektomie-beim-schlaganfall-schnellste-transporte-und-netzwerkbildung-erforderlich

Darüber hinaus erschien Dezember 2015 ein Papier zum Thema im Deutschen Ärzteblatt:
https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=16&aid=173184&s=thrombektomie

 

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FEES für neurogene Dysphagien

Ausbildungscurriculum der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft

Die neurogene Dysphagie gehört zu den häufigsten und zugleich bedrohlichsten Symptomen neurologischer Erkrankungen. Eine Schluckstörung findet sich bei mindestens 50% aller Patienten mit ischämischem oder hämorrhagischem Schlaganfall. Betroffene Patienten haben ein um mehr als das 3-Fache erhöhte Risiko für die frühzeitige Entwicklung einer Aspirationspneumonie und weisen zudem eine signifikant erhöhte Mortalität auf ... Weiterlesen (PDF)

 

Nervenarzt Juli 2014
DOI 10.1007/s00115-014-4114-7
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

 

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FEES-NeurogeneDysphagien-2014

O. Busse, J. Röther, J. Faiss, G.F. Hamann, T. Hupp, O. Jansen, J. Meixensberger, T. Neumann-Haefelin, G. Schackert, E.B. Ringelstein

Interdisziplinäres neurovaskuläres Netzwerk

Eine neue Struktur zur Versorgung von Schlaganfällen und anderen Hirngefäßerkrankungen in Deutschland.

Das „neurovaskuläre Netzwerk“ ist eine überregionale Versorgungsstruktur, in der alle Patienten mit neurovaskulären Erkrankungen, auch seltenen Entitäten, interdisziplinär auf hohem Niveau unter besonderer Berücksichtigung innovativer Therapiekonzepte versorgt werden können. Das vorliegende Konzept geht davon aus, dass für eine sichere Zukunft der Versorgung neurovaskulärer Erkrankungen die enge Kooperation unter den Neuro-Fächern essenziell ist. Nach wie vor bleiben die zertifizierten Stroke-Units das Rückgrat der Schlaganfallversorgung.

  

Nervenarzt2013 · 84:1228–1232· DOI 10.1007/s00115-013-3848-y
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013

  

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Interdisziplinaeres-neurovaskulaeres-Netzwerk Nervenarzt2013

FEES auf der Stroke-Unit
Empfehlungen zur Umsetzung im klinischen Alltag

Schluckstörungen finden sich bei ca. 50% aller Patienten mit einem akuten Schlaganfall. Sie begünstigen das Auftreten von Aspirationspneumonien und gehen deshalb mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität einher. Zudem beeinträchtigen sie durch die Behinderung der Nahrungsaufnahme die Lebensqualität der betroffenen Patienten und können Dehydratation und Malnutrition verursachen.

Nervenarzt 2013 · 84:705–708

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FEES-auf-der-Stroke-Unit-Nervenarzt-2013-84

Berufsbegleitender Master of Science in "Cerebrovascular Medicine"

Die Charité, eine der renommiertesten Universitätskliniken in Europa, bietet im Rahmen des Centrums für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) den Weiterbildungsstudiengang Master of Science in Cerebrovascular Medicine an.

Dieser zweijährige, berufsbegleitende Studiengang geht mittlerweile in die dritte Runde. Er richtet sich an Ärzte, Naturwissenschaftler und Gesundheitswissenschaftler aus Kliniken, Forschungseinrichtungen und der Industrie, die eine wissenschaftliche Karriere im Bereich Schlaganfallforschung anstreben.

Das berufsbegleitende Studium dauert vier Semester und wird mit einem Master of Science (MSc) abgeschlossen. Der Schwerpunkt liegt auf Selbststudium und eLearning, ergänzt durch kurze Präsenzphasen. Die Präsenzzeit beträgt insgesamt sieben Wochen innerhalb vier Semestern. Pro Studienjahrgang werden maximal acht bis zehn Studierende aufgenommen.

Der Master of Science in „Cerebrovascular Medicine" zielt darauf ab, Wissenschaftlern die notwendigen Fähigkeiten zu vermitteln, um eigene Forschungsprojekte im Bereich Schlaganfall zu entwickeln und zu leiten. Der Studiengang gliedert sich in sieben Module, einen Praktikumsteil und die Masterarbeit und umfasst insgesamt 60 ECTS-Leistungspunkte. Die Module beinhalten „Basics of Cerebrovascular Medicine", "Neuroanatomy", "Cognition and Plasticity", "Imaging, Diagnostics, and Rare Diseases", "Prevention and Treatment of Stroke", "Biostatistics and Clinical Trial Methodology", "Clinical Epidemiology and Health Services Research", sowie "Project Management". Es können auch nur einzelne Module des Studiengangs absolviert werden. Jeder Student durchläuft ein individuelles Karriereprogramm begleitet von einem Karriere-Coach und einem wissenschaftlichen Koordinator.

Der Unterricht wird durch international ausgewiesene Schlaganfallexperten und führende Experten des CSB (http://www.schlaganfallcentrum.de) durchgeführt. Das CSB wird seit 2008 als integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und schlägt die Brücke zwischen Grundlagenforschung, klinischer Forschung und klinischer Versorgung beim Schlaganfall. Es bietet dadurch ein attraktives Umfeld für schlaganfallspezifische Spitzenforschung.

Die Studiengebühren belaufen sich auf 225 Euro pro Leistungspunkt oder 13.500 Euro insgesamt. Einzelne Module können für 1.125 Euro belegt werden. Die Beantragung von (Teil-)Stipendien ist möglich.

Die Bewerbungsfrist für den kommenden Turnus (Beginn: Oktober 2012) endet am 15. Juli 2012.

Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Homepage: www.master-stroke.de. Gerne können Sie uns auch kontaktieren unter

Tel.: +49 30 2093 4582
Fax: +49 30 2093 4590
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Mit besten Grüßen

Ihr Matthias Endres

Direktor der Klinik für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin

  

Postgraduate Master Program "Cerebrovascular Medicine" (PDF)

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