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10 Jahre Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft

Am 24. Mai 2011 feierte die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) im Vorfeld der European Stroke Conference (ESC) in Hamburg ihr zehnjähriges Bestehen. Dies war Anlass für eine Replik auf die erfolgreiche Entwicklung der Schlaganfallversorgung in den letzten Jahren und auch Gelegenheit, den Gründungsvätern und Protagonisten der Deutschen Schlaganfallmedizin für Ihren Einsatz zu danken. Das Jubiläumssymposium wurde durch Grußworte von Frau Huster-Nowack, von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, eröffnet, die in Hamburg maßgeblich dazu beigetragen hat, dass jeder Schlaganfall-Patient in der Hansestadt in die nächstgelegene Stroke Unit eingeliefert wird. Es folgte ein Rückblick von Frau Liz Mohn, die die Schwerpunkte der Arbeit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe (SDSH) darstellte und auf die vielfachen fruchtbaren Verflechtungen von DSG und SDSH hinwies. Prof. Oertel richtete in seiner Funktion als 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ein Grußwort an die größte Schwerpunktgesellschaft innerhalb der DGN und wies auf die Bedeutung der Schlaganfallmedizin und der Entwicklung der Stroke Units für die deutsche Neurologie insgesamt hin. Prof. Hennerici, Ausrichter der ESC, der die Veranstaltung im Rahmen des Kongresses freundlicherweise ermöglichte, begrüßte den Jubilar DSG und wies auf ihre Bedeutung nicht nur für die Versorgung, sondern auch für die Wissenschaft des Schlaganfalls hin.

Otto Busse, der erste Vorsitzende und Mit-Gründungsvater der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zeichnete ein Bild der Schlaganfallversorgung in den 90-er Jahren. Da Deutschland international eine führende Rolle in der Schlaganfallversorgung übernommen hatte, war es naheliegend, eine wissenschaftliche Fachgesellschaft zu gründen. Dieses Bestreben wurde - auch auf Initiative von Werner Hacke und dem Kompetenznetzwerk Schlaganfall (Karl Einhäupl und Arno Villringer) - intensiv vorangetrieben, so dass am 19.12.2001 in Frankfurt anlässlich einer Sitzung des Kompetenznetzes Schlaganfall die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft gegründet wurde. Seither hat die DSG einen steten Mitgliederzuwachs zu verzeichnen (aktuell 554 ordentliche Mitglieder) und hat eine Schlaganfallversorgung auf höchstem Niveau etabliert. Die Zertifizierung der Stroke Unit, eine intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unter Federführung von Martin Grond und der Thieme PR-Agentur, Fortbildung und Nachwuchsarbeit wie die Stroke Summer School und eine interdisziplinäre Vernetzung der Kardiologie in der Arbeitsgruppe Herz & Hirn sind nur einige Beispiele aus einer Vielzahl von Aktivitäten.

Bernd Ringelstein fasste die Entwicklung der Stroke Units zusammen, die eine beispiellose Erfolgsgeschichte ist und einer stetigen Optimierung und Anpassung an moderne Standards unterliegt, wie zum Beispiel die Einführung der Comprehensive Stroke Unit. Früchte dieser stetigen Strukturarbeit sind die Versorgung von über 70 Prozent der deutschen Schlaganfall-Patienten auf Stroke Units und eine bundesweite Thrombolyserate um 10 Prozent, die international ihresgleichen sucht.

Arno Villringer skizzierte die Entwicklung des Kompetenznetz Schlaganfall, einer weiteren Erfolgsgeschichte, die dazu beitrug, die Deutsche Schlaganfallmedizin in einer beeindruckenden Kooperation von Neurologen, Epidemiologen und Grundlagenwissenschaftlern international zu festigen: Das. Die wissenschaftliche Bilanz des Kompetenznetzes Schlaganfall ist mit mehr als 500 Publikationen herausragend und obwohl die Förderung seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung 2007 auslief, hat sich eine Kooperationsstruktur gebildet, die bis heute nachwirkt und ein Netz für eine interdisziplinäre wissenschaftliche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Schlaganfallmedizin bietet.

Werner Hacke legte den Stellenwert der klinischen Schlaganfallforschung in Deutschland dar. In der Dekade2000 bis 2010 wurden 12,5 Prozent aller dokumentierten Veröffentlichungen der akuten Schlaganfallforschung unter deutscher Beteiligung oder Federführung publiziert. Viele wichtige Studien im Bereich der Schlaganfallprävention wie die Re-Ly-Studie (H. C. Diener) und die SPACE-Studie (W. Hacke) wurden von deutschen Neurologen initiiert und geleitet.

Dr. Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und der Ärztekammer Hamburg, stellte die Schlaganfallversorgung in einen übergeordneten Zusammenhang der Altersmedizin und der begrenzten Ressourcen aufgrund der zunehmenden Alterung der Bevölkerung. Immer weniger Renteneinzahler müssen eine rasch zunehmende Zahl von Rentenempfängern finanzieren, eine Entwicklung, die vorhersehbarerweise an eine Grenze gelangen wird, für die wir bisher nicht gut gerüstet sind.

Abschließend zeigte G. Donnan in seinem Festvortrag zu den „Future Perspectives of Stroke“ die künftigen Entwicklungen in der Schlaganfallversorgung auf. Der flächendeckende Zugang von sehr schwer betroffenen Schlaganfall-Patienten zur endovaskulären Rekanalisation, die Optimierung der Prähospitalversorgung und eine verbesserte Nachsorge in der Sekundärprävention sind wichtige Zukunftsziele.

Den Festabend begingen alle Aktiven und Förderer der DSG mit einem gemeinsamen Abendessen.

 

Prof.Dr.med.Joachim Röther

Prof.Dr.med.Otto Busse