Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft

 

Gemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft

Eigene "Unit" für Patienten mit transitorischen ischämischen Attacken (TIAs) macht keinen Sinn – in den bestehenden Stroke Units sind TIA-Patienten optimal versorgt

(16. Juli 2009) Anfang des Monats wurde erstmals in Hamburg eine sogenannte TIA-Unit eröffnet. Diese besondere Einheit als Teil einer Stroke Unit soll ausschließlich Patienten behandeln, die eine transitorische ischämische Attacke (TIA) erlitten haben.

Die TIA ist eine vorübergehende Hirnfunktionsstörung, die durch einen kurzfristigen Durchblutungsmangel eines Teils des Gehirns ausgelöst wird. Eine TIA äußert sich durch Ausfallerscheinungen wie Halbseitenlähmungen, Hautsinnesstörungen, Seh- oder Sprachstörungen, die jedoch meist nur Minuten anhalten. Allerdings besteht in den Tagen nach einer Attacke ein besonders hohes Risiko, einen Schlaganfall mit bleibenden Folgen zu erleiden. Eine TIA unterscheidet sich von einem Schlaganfall lediglich durch den zeitlichen Verlauf und die Rückbildung der Symptome.

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) sowie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) sind überrascht und irritiert über diesen Vorstoß der Asklepios Klinik Wandsbek, eine TIA-Unit zu installieren, und kritisieren ihn.

"Eine Diversifizierung der Behandlungseinheiten für Patienten mit TIA und Schlaganfall macht wenig Sinn", sagt Prof. Dr. med. Otto Busse, Sprecher der DSG und Geschäftsführer der DGN. Schon seit Mitte der 90er-Jahre, als die Stroke Units in Deutschland etabliert wurden, sei es selbstverständlich gewesen, dass TIA-Patienten wegen des Frührezidivrisikos überwachungspflichtig sind und auf eine Stroke Unit gehören. Es gelte, erneute Symptome und Komplikationen durch die Überwachung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. "Wir haben die Stroke Unit immer auch als eine so genannte Präventivstation für TIA-Patienten betrachtet", sagt Prof. Busse. Insofern erübrigten sich eigenständige TIA-Units.

Wichtiger sei es, die Bevölkerung über die Symptome einer TIA und eines Schlaganfalls aufzuklären, damit ein Betroffener möglichst rasch in eine zertifizierte Stroke Unit kommt. Dort werden TIA- und Schlaganfallpatienten gleichermaßen optimal versorgt. In Deutschland existieren mehr als 190 Stroke Units, die nach strengen Kriterien der Deutschen Schlaganfallgesellschaft (DSG) und der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe (SDSH) zertifiziert sind. Es sollte daher so gut wie jedem TIA- und Schlaganfallpatienten heutzutage möglich sein, unmittelbar nach dem Beginn der Symptome eine Stroke Unit zu erreichen .

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen

Prof. Dr. med Otto Busse
Geschäftsstelle der Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. und der
Deutschen Schlaganfallgesellschaft (DSG)
Reinhardtstr. 27C
10117 Berlin
Tel: 030-5314379-30
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Pressestelle der DGN
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