Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft


 

Die Telemedizin wird ihren Platz haben – aber nicht in der Regelversorgung des Schlaganfalls

Deutsche Gesellschaft für Neurologie bezieht in Berlin Stellung: Telekonsile können ergänzend helfen, aber Stroke Units nicht ersetzen.

 

Telemedizin2009Foto: Diskurs in Berlin: (v.l.n.r.) Prof. Hans-Jochen Brauns, Vorsitzender des Vorstands der DGTelemed, Prof. Martin Grond (Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft , Prof. Heinrich Audebert (Charité, Berlin)

(6. November 2009) Klare Positionierung der Deutsche Gesellschaft für Neurologie auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin in Berlin: Telekonsile können ergänzend helfen, aber Stroke Units nicht ersetzen. „Das Telekonsil dient beim Schlaganfall derzeit lediglich zur Bewältigung der Mangelversorgung.

Sie schließt dort Lücken, wo durch die rund 200 Stroke Units in Deutschland noch keine Akutbetreuung in der Fläche gewährleistet ist, etwa in manchen Regionen Bayerns oder Mecklenburg-Vorpommerns", so Prof. Martin Grond (Siegen) von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (www.dsg-info.de) in einem Vortrag.„Wir halten an unserem Ziel fest, die Schlaganfallversorgung mit zertifizierten Stroke Units ausreichender Grösse flächendeckend auszubauen. Bis dahin werden telemedizinische Konsile ihren Platz haben – aber sie dürfen nicht zum Regelfall werden", betonte Prof. Otto Busse (Berlin), Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), auf einer Podiumsdiskussion mit medizinischen Fachgesellschaften anlässlich des Kongresses.

Die Zahl der Telemedizin-Patienten nimmt zu

Für einen weiteren Ausbau der Telemedizin sprach sich dagegen Prof. Heinrich Audebert von der Berliner Charité aus, wenn hierdurch eine spezialisierte Schlaganfallversorgung in unterversorgten Regionen ermöglicht wird. Er beruft sich auf positive Erfahrungen mit TEMPiS (www.tempis.de), dem telemedizinischen Schlaganfall-Netzwerk, das in Bayern bereits 2006 in den Regelbetrieb überführt wurde. Die jährliche Zahl der telekonsiliarisch vorgestellten Patienten sei im Jahr 2008 auf mehr als 3000 Patienten angewachsen. Heinrich Audebert – der am Donnerstagabend für das TEMPiS-Projekt von der DGTelemed den Karl Storz Telemedizinpreis 2009 erhielt – präsentierte neue TEMPiS-Daten, die zeigen, dass die akutstationäre Behandlung in telemedizinisch unterstützten Schlaganfalleinheiten zwar etwas teurer komme als die Versorgung auf einer Normalstation. Die Gesamtkosten unter Einschluss der Pflegekosten lägen durch die geringere Pflegebedürftigkeit bei TEMPiS-Patienten aber unter den Kosten der Patienten in Vergleichskliniken.

Gute Schlaganfall-Netzwerke sind entscheidend

„Ökonomische Argumente könnten dazu führen, dass insbesondere private Träger durch die telemedizinische Beratung personelle Ressourcen, d.h. insbesondere ärztliche Kompetenz, vor Ort einsparen", warnte Otto Busse.
„Die Qualität der Behandlung nach dem Telekonsil ist prognosebestimmend für den Patienten", so Martin Grond. Therapieerfolg und Pflegekosten hängen nicht unbedingt davon ab, ob ein Patient telemedizinisch erstversorgt wird, sondern auf welchem Niveau weiter behandelt wird." Tempis leistet hier vorbildliche Arbeit und sorgt kontinuierlich für eine Schlaganfall-Expertise in den vernetzten Kliniken, allerdings mit hohem personellen und finanziellem Aufwand. Ob dies auch in anderen Netzwerken gewährleistet ist, muss hinterfragt werden. In diesem Zusammenhang verwies Grond auf die von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft erarbeiteten Qualitätskriterien.