Drucken

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft

Schlaganfall: Bald einfachere Vorbeugung für bis zu 300.000 Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland

(2. September 2009) Größte Medikamentenstudie zum Vorhofflimmern veröffentlicht. Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Neurologie begrüßen die Aussicht auf eine einfachere und sicherere Schlaganfall-Prophylaxe.

Patienten mit unregelmäßigem Herzschlag können bis Ende des kommenden Jahres auf ein neues, einfach zu handhabendes, Medikament hoffen, um ihr Risiko für einen Schlaganfall oder einen systemischen Gefäßverschluss zu senken.

Die Arznei Dabigatran (Pradaxa®) erwies sich im Vergleich zu dem seit 50 Jahren etablierten Blutgerinnungshemmer Warfarin, der aufwändige und häufige Kontrollen der Blutgerinnung erfordert, als mindestens ebenso wirksam und in einigen Bereichen sogar überlegen. Das neue Medikament führte seltener zu Hirnblutungen als Warfarin. Dies ist das Ergebnis der bislang größten Medikamentenstudie zum Vorhofflimmern, die am vergangenen Sonntag auf der Jahrestagung der europäischen Kardiologen in Barcelona große Beobachtung fand und die zeitgleich in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft ist erfreut über diese positiven Ergebnisse: „Damit steht in Aussicht, dass in Kürze die Schlaganfall-Prophylaxe wirksamer und sicherer wird", kommentiert Prof. Dr. med. Joachim Röther, Minden, von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.

„In dieser Studie haben wir herausgefunden, dass eine Dosis von zwei Mal täglich 150 Milligramm Dabigatran das Risiko von Schlaganfällen und systemischen Embolien gegenüber Warfarin um 34 Prozent verringert", erläuterte einer der federführenden Autoren, Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen. „Wenn sich die Ergebnisse dieser Untersuchung bestätigen, könnte dies die klinische Praxis auch für viele der rund 300.000 deutschen Patienten mit Vorhofflimmern revolutionieren", fügt der Neurologe hinzu.

Blutgerinnung verhindern – mit möglichst geringen Nebenwirkungen

Das vorwiegend in den USA gebräuchliche Warfarin und die in Deutschland bevorzugte, verwandte Substanz Phenprocoumon (Marcumar®) können Blutgerinnseln – und damit auch Schlaganfällen und Embolien – vorbeugen. Der Wirkmechanismus beider Arzneien beruht darauf, dass sie die Verfügbarkeit von Vitamin K reduzieren, und damit gleich ein halbes Dutzend Enzyme an der Arbeit hindern, die an der Blutgerinnung beteiligt sind. Allerdings erfordern es die biochemischen Eigenschaften von Warfarin und Phenprocoumon, dass der Blutgerinnungswert (INR) der Patienten alle paar Tage ambulant oder in der Arztpraxis bestimmt werden muss, um die jeweils optimale Dosis für die Arzneien zu bestimmen.

Diese zeitaufwändige und kostenintensive Überwachung sollen neue Substanzen mit verbesserten biochemischen Eigenschaften überflüssig machen, die wie Dabigatran nur auf jeweils einen Bestandteil des komplizierten Blutgerinnungssystems abzielen. In der aktuell publizierten, so genannten RE-LY Studie (für: „Randomized Evaluation of Long-Term Anticoagulant Therapy, Warfarin, Compared With Dabigatran) scheint sich diese Hoffnung erstmals bestätigt zu haben, ohne dass gravierende Nebenwirkungen aufgetreten sind. In der Dosierungen von zwei mal 110 Milligramm täglich verhinderte Dabigatran Schlaganfälle mindestens so gut wie Warfarin; mit zwei mal täglich 150 Milligramm war Dabigatran um 34 Prozent besser als Warfarin.

Die am meisten gefürchtete Nebenwirkung einer Therapie mit Gerinnungshemmern, nämlich größere Blutungen, wurden mit dem neuen Präparat nicht häufiger beobachtet (in der niedrigeren Dosierung waren sie um 20 Prozent seltener), und es gab auch keine Anzeichen von Leberschäden. Zwar wurden unter Dabigatran etwas mehr Herzinfarkte beobachtet, die Gesamtsterblichkeit war mit Warfarin aber sogar höher.

Nach Angaben des Herstellers Boehringer Ingelheim könnte die neue Arznei bereits zum Ende des kommenden Jahres auf den Markt kommen. „Bevor es soweit ist, müssen jedoch auch die Zulassungsbehörden ihr Ja-Wort geben", so Diener. Zwar sei das Medikament für die Verhütung von tiefen Beinvenenthrombosen nach Hüft- oder Kniegelenkersatz bereits zugelassen. Die Anwendung zur Vorbeugung des Schlaganfalls bei Vorhofflimmern sollte allerdings erst begonnen werden, wenn die Zulassung für diese Indikation durch die Zulassungsbehörden erfolgt ist.

Conolly SJ et al. Dabigatran versus Warfarin in Patients with Atrial Fibrillation. New England Journal of Medicine advance online publication 2009 doi: 10.1056/NEJMao905561

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen

Mitautor der Studie, Sprecher für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Duisburg-Essen
Hufelandstr 55, 45122 Essen
Tel.: 0201-7232460
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Für die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
Prof. Dr. med. Joachim Röther
Chefarzt der Neurologischen Klinik
Johannes Wesling Klinikum Minden
Hans-Nolte-Str. 1, 32429 Minden
Tel: 0571-7903501
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pressestelle der DGN
c/o albertZWEI media GmbH, Frank A. Miltner, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , Tel: 089-46148622.

Geschäftsstelle Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft:
Prof. Dr. med. Otto Busse, Reinhardtstr. 27C, 10117 Berlin, Tel: 030-531437930, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!