Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft


 

Berlin, Oktober 2013 – Nach einem Schlaganfall leidet jeder dritte Patient an einer Depression. Eine frühzeitige Behandlung kann sie abschwächen oder sogar verhindern. Die Medikamente stabilisieren dabei nicht nur die Psyche, sie können auch einen wichtigen Beitrag zur Rehabilitation leisten. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) empfiehlt daher, alle Schlaganfall-Patienten frühzeitig auf das Vorliegen depressiver Symptome zu untersuchen. Wie Menschen bei und nach einem Schlaganfall optimal behandelt werden, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft am 24. Oktober 2013 anlässlich des Weltschlaganfalltages in Berlin.

„Für Menschen, die von heute auf morgen halbseitig gelähmt sind, ihre Sprachfähigkeit verloren haben oder nur noch eingeschränkt sehen können, ist Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression eine verständliche Reaktion", sagt Professor Dr. med. Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie an der Berliner Charité. Jeder dritte Patient erleidet nach Auskunft des DSG-Vorsitzenden eine sogenannte Post-Schlaganfall-Depression. Besonders häufig seien Frauen, ältere Menschen und solche ohne soziale Unterstützung betroffen. Auch Menschen mit bereits vorhandenen psychischen Störungen oder kognitiven Einschränkungen erleiden nach dem Schlaganfall häufiger eine Depression.

Die Depression ist jedoch nicht nur eine psychische Reaktion auf die Behinderungen. Sie kann auch biologische Folge des Schlaganfalls sein. „Zusätzlich zu psychischen Reaktionen spielen offensichtlich biologische Mechanismen eine Rolle, die durch den Schlaganfall im Gehirn ausgelöst werden", erläutert der DSG-Experte. Dies erkläre beispielsweise, warum Depressionen nach einem Schlaganfall häufiger sind als bei orthopädischen Erkrankungen mit vergleichbarem Behinderungsgrad.

Depressionen können bei Schlaganfall-Patienten durch Medikamente gelindert werden. Zum Einsatz kommen heute unter anderem Mittel, die die Übertragung von Nervenimpulsen durch den Botenstoff Serotonin steigern. Diese sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder SSRI haben bei Schlaganfall-Patienten möglicherweise einen Zusatznutzen. „Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass SSRI die Funktion von Hirnzellen stabilisieren und in einigen Hirnregionen die Neubildung von Hirnzellen anregen. Im Schlaganfall-Modell beugen sie nicht nur dem Auftreten von depressivem Verhalten vor, sondern können das Absterben von Nervenzellen verhindern", berichtet Professor Endres. Positive Auswirkungen bei Schlaganfall-Patienten wurden ebenfalls bestätigt: In einer Studie behandelten Ärzte Patienten nach dem Schlaganfall prophylaktisch mit dem SSRI Fluoxetin oder Plazebo, unabhängig davon, ob sie unter Depressionen litten oder nicht. Nach drei Monaten hatten sich die Patienten nicht nur psychisch besser erholt als in einer Plazebo-Gruppe: „Die Beweglichkeit der zuvor gelähmten Gliedmaßen wurde deutlich gesteigert und die Patienten gewannen ihre Unabhängigkeit schneller zurück", so Professor Endres.

Daher seien Antidepressiva von großer Bedeutung für die Rehabilitation nach Schlaganfällen, erklärt DSG-Pressesprecher Professor Joachim Röther von der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona. „Zudem ist Fluoxetin gut verträglich, in der Behandlung der Depression lange erprobt und die Therapiekosten sind gering." Der DSG-Experte ergänzt: „ Für einen prophylaktischen Einsatz von SSRI in der Routine benötigen wir aber nun weitere Evidenz aus klinischen Studien."

Anlässlich des Weltschlaganfalltages diskutieren Experten auf der DSG-Pressekonferenz am 24 Oktober 2013 von 12.00 bis 13.00 Uhr unter dem Motto „Gebündelte Kompetenz zum Wohl des Patienten" über Neues aus Forschung und Behandlung.

  

Literatur:

Chollet F et al.: Fluoxetine for motor recovery after acute ischaemic stroke (FLAME):
a randomised placebo-controlled trial. Lancet Neurology 2011; 10: 123–30
http://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(10)70314-8/abstract

Mead GE et al. Selective serotonin reuptake inhibitors for stroke recovery. JAMA 2013; 310:1066–7

Kronenberg G et al.: Exofocal dopaminergic degeneration as antidepressant target in mouse model of poststroke depression. Biol Psychiatry. 2012; 72:273–81. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22464799

  

 

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

 

Prof. Dr. med. Joachim Röther
2. Vorsitzender und Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Chefarzt der Neurologischen Abteilung
Asklepios Klinik Altona, Paul-Ehrlich Straße 1, 22763 Hamburg
Tel.: 040 1818 81-1401, Fax: 040 181881-4906
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Pressestelle der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Tel.: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
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