Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft


 

Mechanische Gerinnselentfernungen

Berlin, Oktober 2017 – Rund 260.000 Menschen erleiden hierzulande jährlich einen Schlaganfall. Bei vielen besonders schwer betroffenen Patienten ist die Methode der mechanischen Thrombektomie (MTE) wirkungsvoll: Hier können große Blutgerinnsel mittels eines Mikrokatheters entfernt werden. Das hoch wirksame Verfahren wird in Deutschland bereits seit vielen Jahren angewendet und stellt seit drei Jahren eine fest etablierte Therapie dar. Deutschland nimmt europaweit eine führende Position ein, denn es wird mittlerweile eine nahezu flächendeckende Versorgung gewährleistet. So sind hierzulande etwa 450 Neuro-Interventionalisten, die auf die Behandlung von Verengungen und Verschlüssen von Blutgefäßen in Gehirn und Rücken spezialisiert sind, an etwa 140 Standorten tätig. Wie eine so exzellente Versorgungsstruktur entstanden ist und wie die Qualität dabei gesichert werden kann, darüber diskutieren Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, den 25. Oktober. Anlass ist der Weltschlaganfalltag am 29. Oktober.

„Im vergangenen Jahr wurden etwa 7.000 mechanische Thrombektomien in Deutschland durchgeführt", betont Professor Dr. med. Darius Nabavi, Vorsitzender der Stroke Unit Kommission der DSG und Chefarzt der Klinik für Neurologie am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin. „In den kommenden Jahren werden es voraussichtlich noch deutlich mehr Behandlungen." Obwohl die Qualität der Versorgungsstruktur in Deutschland bereits führend ist, soll diese noch weiter ausgebaut werden.

Doch was ist wichtig, um qualitativ hochwertige Gerinnselentfernungen zu ermöglichen? „Bei der Durchführung der mechanischen Thrombektomie spielen Aspekte der Fach-expertise im Team und individuelle Fertigkeiten des Interventionalisten eine heraus-ragende Rolle", erläutert Nabavi. Insofern sei es eine wichtige Aufgabe der DSG – und insbesondere ihrer Stroke Unit (SU)-Kommission – gewesen, in den vergangenen drei Jahren die flächendeckende Anwendung der Thrombektomie mit der gebotenen Qualität in der Breite zu überwachen und sicherzustellen.

Im europäischen Vergleich konnten die deutschen Schlaganfallspezialstationen – sogenannte Stroke Units – auf eine besonders gelungene Vorarbeit aufbauen. „Bereits im Jahre 2012 wurde für circa 100 zertifizierte überregionale Stroke Units gefordert, dass mindestens zwei ausgebildete Neuro-Interventionalisten am Standort rund um die Uhr zur Verfügung stehen", so der DSG-Experte. Insofern existierte bereits 2015 ein recht gut ausgebildetes und effektives Netzwerk für die mechanische Gerinnselentfernung in Deutschland, das eine gute Fachkompetenz und breite Verfügbarkeit sichergestellt hatte. Dieses Netzwerk wurde in den vergangenen drei Jahren konsequent weiter ausgebaut. Und die deutschen Schlaganfallexperten geben ihr Wissen gerne weiter: So wird mit tatkräftiger deutscher Unterstützung gerade eine europäische Initiative aufgebaut, die europaweit eine qualitätsgesicherte Schlaganfallversorgung sicherstellen soll.

Zum Verfahren: Die Thrombektomie kann schwere Behinderungen nach einem starken Schlaganfall vermeiden, indem sie eine verstopfte Hirnarterie von einem Blutgerinnsel befreit. Bei dem Verfahren schieben Neurointerventionalisten von der Leiste aus einen Katheter bis an die Stelle des Hirngefäßes, wo das Blutgerinnsel die Arterie blockiert hat. Der Katheter durchbohrt den Thrombus und umschließt das Gerinnsel anschließend mit einem Stent wie ein Drahtkäfig, sodass der Blutpfropfen herausgezogen werden kann. Wie die Methode der mechanischen Thrombektomie funktioniert, zeigen die Experten der DSG auf der Pressekonferenz anhand eines Videos.

  

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:

  

Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz

Evangelisches Klinikum Bethel
Klinik für Neurologie
Haus Gilead I | Bethel
Burgsteig 13
33617 Bielefeld
Telefon: 0521/77278301 

  

  

Kontakt für Journalisten:

Pressestelle der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft

Friederike Gehlenborg
Tel.: +49 (0)711 8931-295, Fax: +49 (0)711 8931-167
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

  

  

PDFButton PDF Datei der Presseinformation