Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft

 

Akute Diagnostik und Therapie bei zerebraler Ischämie

Magnetresonanztomografie und Computertomografie in der Akutdiagnostik von Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall - Ein prospektiver Vergleich

J.A. Chalela et al. Lancet 2007;369:293-98

Hintergrund

Obwohl die MRT zunehmend in der Diagnostik des Schlaganfalls eingesetzt, wird ist eine Überlegenheit der MRT gegenüber dem CT im Rahmen der akuten Evaluation nicht belegt. Die Studie hatte daher zum Ziel, beide Methoden in der Akutsituation beim Schlaganfall zu vergleichen.

Methodik

Monozentrischer, prospektiver und verblindeter Vergleich von nativer CT und MRT (inkl. Diffusionswichtung und Gradientenecho-Sequenz) bei konsekutiven Akutpatienten mit der Verdachtsdiagnose ‚Schlaganfall'. Patienten wurden unabhängig vom Schweregrad und der Dauer der Symptomatik eingeschlossen. Die Bilder wurden von 4 Experten unabhängig sowie in Unkenntnis von klinischen Informationen, dem Ergebnis der jeweils anderen Untersuchung und den bildgebenden Verlaufsuntersuchungen befundet.

Ergebnisse

Die Untersuchungen von 356 Patienten, davon 217 mit der abschließenden klinischen Diagnose eines akuten Schlaganfalls, wurden bewertet. Die MRT wies akute Schlaganfälle (ischämisch oder hämorrhagisch), akute Hirninfarkte und chronische (alte) Blutungen signifikant häufiger nach als die CT (p<0,0001 für alle Vergleiche). Akute intrakranielle Blutungen wurden mit ähnlicher Häufigkeit (MRT 23 von 27, CT 25/27) detektiert. Die MRT wies deutlich mehr Hirninfarkte nach als die CT (164/356 vs. 35/356), auch bei binnen 3h nach Ereignisbeginn untersuchten Patienten (N=90; 41/90 vs. 6/90). Bezüglich der klinischen Abschlussdiagnose ‚Schlaganfall' betrug die Sensitivität der MRT 83%, die der CT 26%.

Conclusion

Die MRT ist der CT im Nachweis akuter cerebraler Ischämien überlegen und weist sowohl akute als auch chronische Blutungen mit gleicher bzw. größerer Zuverlässigkeit nach. Die MRT sollte daher als das primäre bildgebende Verfahren zur Evaluation akuter Schlaganfallpatienten eingesetzt werden.

Kurzkommentar

Aufgrund ihrer Methodik sind die Ergebnisse der Arbeit sicher gut in die klinische Praxis übertragbar. Dass die CT dennoch weiterhin eine bedeutsame Rolle beim akuten Schlaganfallpatienten einnehmen wird, ergibt sich aus mehreren Gründen: Mehr als 10% der Patienten (auch in dieser Studie) sind nicht MRT-geeignet; höhere Kosten der MRT; kürzere Untersuchungszeit der CT. Insbesondere für instabile Patienten wird die CT daher auch künftig die zu bevorzugende Methode sein.