Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft

 

Akute Diagnostik und Therapie bei zerebraler Ischämie

Stroke Unit Behandlung bei Patienten mit akutem Schlaganfall: Eine Beobachtungsstudie

L. Candelise et al., for the PROSIT Study Group, Lancet 2007;369:299-305

Hintergrund

Obwohl mittlerweile viele Patienten mit akutem Schlaganfall der frühen Behandlung auf einer Stroke Unit zugeführt werden, gibt es immer noch relativ wenig Evidenz für den Nutzen einer solchen Behandlung. Ziel der Studie war es deshalb herauszufinden, ob die Therapie auf einer Stroke Unit im Vergleich zur Behandlung auf einer Allgemeinstation das Outcome verbessert.

Methodik

Multizentrische Beobachtungsstudie an Patienten mit akutem Schlaganfall, die von April bis Dezember 2001 binnen 48h nach Ereignisbeginn auf einer Stroke Unit (speziell zugeordnetes Personal und Betten; N=4936) oder einer allgemeinen Station (Neurologie Innere Medizin; N=6636) behandelt wurden. Während die Identifizierung der Patienten retrospektiv anhand der Entlassungsberichte von insgesamt 260 italienischen Krankenhäusern erfolgte, wurde das Outcome nach 2 Jahren prospektiv von verblindeten Untersuchern mittels eines stukturierten Fragebogens evaluiert. Der primäre Endpunkt (Behinderung oder Tod) wurde anhand der Rankin Skala ermittelt.

Ergebnisse

Insgesamt verstarben 1576 Patienten während der stationären Behandlung und 2169 während des Follow-up Zeitraumes. Im Vergleich zur allgemeinen Station war die Behandlung auf einer Stroke Unit signifikant mit einer 19% geringeren Wahrscheinlichkeit für Behinderung oder Tod assoziiert (CI 0,72-0,91, p=0,0001). Der Effekt war unabhängig von Alter, Geschlecht, Zeit bis zur Aufnahme, Art des Insultes (Blutung vs. Infarkt) und Vorhofflimmern. Lediglich bei primär bewußtlosen Patienten fand sich kein Unterschied.

Conclusion

Die Behandlung akuter Schlaganfälle auf einer Stroke Unit verbessert das funktionelle Outcome und verringert die Sterblichkeit.

Kurzkommentar

Dem größten Schwachpunkt der Studie, der fehlenden Randomisierung, stehen die verblindete Evaluation des Outcomes, die geringe Anzahl ‚verlorener' Patienten (N=347), die Adjustierung der Analysen für wichtige Basis-Charakteristika sowie die große Anzahl untersuchter Fälle gegenüber. Die Überlebenskurven zeigen zudem, dass der Unterschied zwischen den Behandlungsformen innerhalb der ersten 30 Tage, also während der Akutphase, determiniert wird. Die Arbeit unterstreicht somit die Notwendigkeit eines spezifischen Therapie-Settings für Patienten mit akutem Schlaganfall.