Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft

 

Akute Diagnostik und Therapie bei zerebraler Ischämie

Prophylaxe thrombotischer und embolischer Ereignisse mit Certoparin beim akuten Hirninfarkt – Ergebnisse der PROTECT Studie

H.C. Diener et al., for the PROTECT Trial Group. Stroke 2006;37:139-44

Hintergrund

Schlaganfallpatienten sind einem hohen Risiko für thrombembolische Komplikationen ausgesetzt, weshalb sie einer prophylaktischen Behandlung bedürfen. Die Studie hatte zum Ziel, die Nicht-Unterlegenheit des niedermolekularen Heparins Certoparin gegenüber unfraktioniertem Heparin (UFH) in der Prävention thrombembolischer Komplikationen nach Hirninfarkt zu demonstrieren.

Methodik

Multizentrische, doppel-blinde Studie, in der 545 Patienten mit Hirninfarkt und zumindest leichter Beinparese binnen 24h nach Ereignisbeginn randomisiert mit Certoparin (1x3000 U anti-Xa/d; N= 272) oder UFH (3x5000 U/d; N=273) für 12-16 Tage behandelt wurden. Alle Patienten wurden initial, nach 3-4, 7-8, 12-16 Tagen sowie bei Auftreten entsprechender Symptome mittels Kompressions-Duplexsonografie untersucht. Der kombinierte, primäre Endpunkt umfasste symptomatische und asymptomatische proximale tiefe Venenthrombosen (TVT), Lungenarterienembolie und Tod infolge Thrombembolie. Fast alle Patienten erhielten einen Thrombozytenfunktionshemmer.

Ergebnisse

In der Intention-to treat Population traten unter Certoparin weniger Endpunktereignisse auf (18 [6,6%] vs. 24 [8,8%]; p=0,0008 für Nicht-Unterlegenheit), wobei es sich bis auf eine tödliche Thrombembolie (in der UFH-Gruppe) ausschließlich um proximale TVT handelte. Klinisch relevante und unbedeutende Blutungskomplikationen waren in beiden Gruppen gleich häufig. Ebenso fanden sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich des neurologischen Outcomes sowie der Mortalität nach 3 Monaten.

Conclusion

Für die Prävention thrombembolischer Komplikationen bei Patienten mit akutem Hirninfarkt ist Certoparin mindestens ebenso wirksam wie UFH.

Kurzkommentar

Der Anteil symptomatischer Thrombosen wird nicht berichtet. Die geringe Zahl an Endpunktereignissen geht vermutlich auf den über 70%-igen Anteil von Patienten mit nur leichter Beinparese zurück. Im Unterschied zur PREVAIL-Studie (s. dort) waren die Patienten weniger schwer betroffen (mittl. NIHSS 8,7 vs. 11) und erhielten eine höhere Dosis UFH, wodurch sich der vergleichsweise geringere Effekt in PROTECT erklären könnte.