Johnston SC et al. Lancet 2007;369:283-92.
Ziel der Studie war es, 2 bereits existierende und einander ähnliche Scores zur Einschätzung des frühen Hirninfarktrisikos nach TIA zu validieren und daraus einen verbesserten Score abzuleiten, mit dem sich insbesondere das Risiko innerhalb der ersten 2 Tage nach TIA determinieren läßt.
‚California'- (JAMA 2000;284:2901-6) und ‚ABCD'-Score (Lancet 2005;366:29-36) wurden anhand von 4 unabhängigen Patientenkohorten (n=2893) aus Kalifornien und Großbritannien, bei denen in Notaufnahmen oder Ambulanzen eine TIA diagnostiziert worden war, validiert. Der prognostische Wert wurde mittels spezieller Berechnungen (sog. c-Statistik) ermittelt. In einem 2. Schritt wurde von den Ergebnissen der Patientengruppen, anhand derer die originalen Scores entwickelt worden waren (n=1916) sowie basierend auf logistischen Regressionsanalysen ein gemeinsamer Score abgeleitet.
Die beiden existierenden Scores prognostizierten das Schlaganfallrisiko nach 2, 7 und 90 Tagen in jeder der 4 Validierungskohorten ähnlich genau (c-Statistik 0,60–0,81). In den zur Ableitung eines gemeinsamen Scores untersuchten Kohorten konnte die prognostische Aussagekraft mittels des neuen, gemeinsamen Scores (Alter ≥60 → 1 Punkt; initialer Blutdruck ≥140/90 mm Hg → 1P.; Symptome – halbseitige Schwäche → 2 P., Störung der Sprache → 1 P.; Dauer der TIA - ≥60 min → 2 P., 10–59 min → 1 P.; Diabetes mellitus → 1 P.) verbessert werden. Dieser ‚ABCD²'-Score erwies sich als im Hinblick auf die Prognose gut validiert (c-Statistik 0,62–0,83). Insgesamt 1012 (21%) der Patienten hatten ein hohes Risiko (Punktwert 6–7, 2-Tages-Risiko 8,1%), 2169 (45%) ein mittleres Risiko (Punktwert 4–5, 4,1%) und 1628 (34%) ein niedriges Risiko (Punktwert 0–3, 1,0%).
Auch wenn sich die vorhandenen Scores bei Prüfung an mehreren Patientengruppen als valide erwiesen, ist die prognostische Genauigkeit des aus diesen abgeleiteten ‚ABCD²'-Scores sehr wahrscheinlich noch besser. Insbesondere Patienten mit einem hohen Risiko (6-7 Punkte) bedürfen einer sofortigen Evaluation, um einen drohenden Hirninfarkt zu verhindern.
Mit dem ‚ABCD²'-Score (Alter, Blutdruck, Clinik, Dauer, Diabetes) steht ein prognostischer Indikator zur Verfügung, anhand dessen das Hirninfarktrisiko von TIA-Patienten allein auf der Basis einfacher, bei Erstvorstellung bestimmbarer Parameter zuverlässig stratifiziert werden kann. Die im Anschluss publizierte EXPRESS Studie (s. dort) konnte ergänzend zeigen, dass sich Hirninfarkte nach TIA allein durch Beschleunigung des Evaluationsprozesses und die rasche Einleitung medikamentöser Maßnahmen effektiv verhindern lassen.
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