Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft

 

TIA

Frühes Hirninfarktrisiko nach transitorischer ischämischer Attacke – Review und Metaanalyse

Giles MF und Rothwell PM. Lancet Neurology 2007;6:1063-72.

Hintergrund

Vielen Hirninfarkten (HI) geht eine transitorische ischämische Attacke (TIA) voraus, Studien zum Schlaganfallrisiko nach TIA sind jedoch logistisch schwierig und ihre Ergebnisse teils widersprüchlich. Eine zuverlässige Beurteilung des Risikos ist aber erforderlich, um effektive Behandlungsformen anzubieten, klinische Studien durchzuführen und die Öffentlichkeit entsprechend zu schulen.

Methodik

Mit Hilfe elektronischer Datenbanken sowie durch Suche in Literaturlisten, den Inhaltsverzeichnissen relevanter Fachzeitschriften und in Abstraktbänden von Schlaganfallkongressen wurden alle Studien identifiziert, die das HI-Risiko innerhalb der ersten 7 Tage nach TIA untersuchten. Dabei wurden das Gesamt-Risiko berechnet und nach Möglichkeit Analysen zur Heterogenität zwischen den Studien durchgeführt, soweit diese bezüglich Methodik, Setting, Population und Therapie klassifizierbar waren.

Ergebnisse

Die Metaanalyse umfasste 18 unabhängige Kohorten mit insgesamt 10.126 TIA-Patienten. Das gepoolte 7-Tages-HI-Risiko betrug 5,2% (95% CI 3,9–6,5), wobei jedoch die Heterogenität zwischen den Studien erheblich war (Streubereich 0-12,8%; p<0,0001). Die Risiken in Abhängigkeit von der Länge des Follow-up korrelierten allerdings auch im Vergleich verschiedener Studien (0–7 Tage vs. 8–90 Tage, r=0,89, p<0,0001). Zudem ließ sich die Heterogenität zwischen den Studien mit Unterschieden im Design, Setting und der Behandlung hinreichend erklären. Die niedrigsten 7-Tages-Risiken (0,9%, 95% CI 0,0–1,9; 4 Studien) fanden sich in Studien zur Akutbehandlung durch spezialisierte Einrichtungen (z.B. Stroke Unit oder Stroke Ambulanz), während in populationsbasierten Studien ohne sofortige Behandlung die höchsten Risiken dokumentiert wurden (11,0%, 8,6–13,5; 3 Studien). Demgegenüber waren die Ergebnisse bezüglich des Risikos innerhalb von 2 Tagen im Vergleich der Studien ähnlich.

Conclusion

Die sehr heterogenen Ergebnisse zum frühen HI-Risiko nach TIA begründen sich weitestgehend im unterschiedlichen Design und Setting der Studien sowie der Behandlung, wobei das Akutmanagement in spezialisierten Eirichtungen mit den niedrigsten Insultraten assoziiert war.

Kurzkommentar

Auch wenn die Ergebnisse der untersuchten Arbeiten nur bedingt miteinander vergleichbar sind, deuten sie doch auf zwei wesentliche Punkte hin: Erstens ist das Hirninfarktrisiko nach TIA erheblich, und zweitens sind Patienten, die in spezialisierten Institutionen versorgt werden, dem niedrigsten Risiko ausgesetzt. Konsequenterweise sollten daher TIA-Patienten in einer Stroke Unit evaluiert und behandelt werden.