Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft


 

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft appelliert: Bei Anzeichen sofort in die Klinik

Berlin, April 2020 – Schlaganfallexperten raten dringend, Anzeichen für einen Schlaganfall auch in Zeiten der Corona-Epidemie ernst zu nehmen, die 112 zu wählen und sich umgehend notfallmedizinisch in einer Klinik behandeln zu lassen. Die Angst, sich dort möglicherweise mit dem SARS-Co2-Virus anzustecken, sei unbegründet: Krankenhäuser achten darauf, dass die „normale“ Notfallversorgung von der Aufnahme und Versorgung mit dem Coronavirus infizierter Patienten getrennt ist. Auch bei der sogenannten transitorischen ischämischen Attacke (TIA) besteht akuter Behandlungsbedarf, da sie der Vorbote eines starken Schlaganfalls sein kann.

12. März 2020 – Bei Schlaganfällen, die durch einen Gefäßverschluss der hirnversorgenden Gefäße durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) entstehen, muss das Gerinnsel so bald wie möglich durch eine medikamentöse Auflösung (Lyse) oder einen Gefäßkatheter-Eingriff (Thrombektomie) entfernt werden. Nur so kann das Absterben von Gehirnzellen verhindert werden. Manche Patienten stehen vor dem Schlaganfall jedoch wegen einer anderen Erkrankung unter einer gerinnungshemmenden Therapie, die im Prinzip das Blutungsrisiko bei medizinischen Eingriffen erhöhen kann. Eine Studie [1] zeigte nun, dass das Blutungsrisiko nach Thrombektomie nicht bei allen gerinnungshemmenden Substanzklassen gleichermaßen erhöht ist.

DSG befürwortet verstärkten Einsatz der Rettungswagen

Berlin – Die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten ist in Deutschland im internationalen Vergleich schon auf einem sehr hohen Niveau – doch sie könnte noch weiter optimiert werden. Wenn vermehrt speziell ausgerüstete Krankenwagen – sogenannte Mobile Stroke Units – zum Einsatz kommen würden, könnte das die Behandlungsergebnisse noch erheblich verbessern. Laut einer aktuellen Studie traten bei Patienten, die direkt nach einem Schlaganfall in diesen technisch und personell speziell ausgerüsteten Einsatzfahrzeugen behandelt wurden, signifikant weniger Todesfälle und Behinderungen auf als bei Erkrankten, die erst im Krankenhaus eine Behandlung erhielten. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Professor Dr. med. Heinrich Audebert, Experte der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und seinem Berliner Forscherteam, die kürzlich auf der International Stroke Conference (ISC) in Los Angeles vorgestellt wurde. Nach Erkenntnis dieser Studie befürwortet die DSG den vermehrten Einsatz dieser Rettungswagen.

Berlin, Januar 2020 – Wer bereits einen Schlaganfall erlitten hat, kann das Risiko für einen weiteren Hirninfarkt durch eine lipidsenkende Therapie mit Statinen nachweislich reduzieren. Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) empfehlen die regelmäßige Einnahme der Cholesterinsenker zur Sekundärprävention. Doch wie weit sollte der Cholesterinwert abgesenkt werden? Dazu fehlten bisher aussagekräftige Erkenntnisse. Eine aktuelle Studie aus dem „New England Journal of Medicine (NEJM)“ schließt diese Lücke: Demzufolge sollte der LDL-Cholesterinwert bei Patienten mit Hirninfarkten oder kurzen Durchblutungsstörungen des Gehirns, sogenannten TIAs, und gleichzeitiger Atherosklerose der hirnversorgenden Arterien auf unter 70mg/dl herabgesenkt werden.

Berlin, Dezember 2019 – Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde –eine schnelle Reaktion des Patienten oder seines Umfeldes ist gefragt. Doch welche Symptome deuten auf einen Hirninfarkt hin? Wie verhält man sich in einer solchen Situation richtig? Und worauf ist in der Rehabilitationsphase nach einem Schlaganfall zu achten? Gesundheits-Apps können Betroffene hier unterstützen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) befürwortet den Einsatz solcher digitalen Helfer, sofern sie bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Die Fachgesellschaft begrüßt deshalb den Vorstoß des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ab 2020 Gesundheits-Apps auf Rezept einzuführen.

Berlin, November 2019 – Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall – je früher Patienten die richtige Behandlung bekommen, desto größer sind ihre Chancen, bleibende Schäden zu vermeiden. In spezialisierten Einrichtungen – sogenannten Stroke Units – können sie bestmöglich versorgt werden. Wenn Kliniken im ländlichen Raum keine spezialisierten neurologischen Abteilungen haben, können telemedizinische Schlaganfallnetzwerke, Telestroke-Netzwerke genannt, eine gute Versorgung sicherstellen. Per Videokonferenz werden Schlaganfallexperten aus Neurologischen Stroke Units beratend zugeschaltet. Zur Koordination der Telestroke-Netzwerke wurde in der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) nun die Kommission „Telemedizinische Schlaganfallversorgung“ gegründet. Hier arbeiten alle derzeit 21 Telestroke-Netzwerke zusammen.

Berlin, 8. Oktober 2019 – In Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 260 000 Menschen einen Schlaganfall. Für die Therapie mittels Thrombolyse, die die Durchblutung im Gehirn wiederherstellt, gilt bislang ein Zeitfenster von 4,5 Stunden nach Einsetzen der ersten Schlaganfallsymptome. Mehrere Studien haben nun gezeigt, dass unter bestimmten Umständen für die Lyse mehr Zeit zur Verfügung steht als bisher angenommen. Dafür setzen Mediziner eine erweiterte Bildgebung ein. Wie das Verfahren funktioniert und welche Erkenntnisse aktuelle Studien dazu geben, diskutieren Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) auf der heutigen Pressekonferenz zum Weltschlaganfalltag in Berlin. Dann kommt auch zur Sprache, welche neue Therapieoption sich zukünftig ebenfalls jenseits der 4,5 Stunden einsetzen lassen könnte.

Berlin, 8. Oktober 2019 – Ein Schlaganfall kann nicht nur Erwachsene treffen – jährlich kommt es auch bei zwei bis acht von 100 000 Kindern pro Jahr zum plötzlichen und hochgefährlichen Verschluss einer Gehirnarterie. Gerade in dieser sensiblen Altersgruppe vergeht jedoch oft wertvolle Zeit, bis ein Schlaganfall richtig diagnostiziert und behandelt wird. Welche Gründe das hat und wie sich die Versorgung kindlicher Schlaganfall-Patienten verbessern lässt, ist ein Thema auf der heutigen Pressekonferenz der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) anlässlich des Weltschlaganfalltags am 29. Oktober.