Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft


 

DSG-Experten informieren über medizinischen Zusammenhang und geben Empfehlungen zur Prävention

Berlin, November 2020 – Menschen mit einer HIV-Infektion haben ein um rund 50 Prozent höheres Risiko, an einem Schlaganfall zu erkranken wie nicht Infizierte – darauf macht die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) anlässlich des Welt-AIDS-Tages 2020 aufmerksam. Der weltweite Aktionstag, der jedes Jahr am 1. Dezember stattfindet, soll unter anderem auf Präventionsmaßnahmen gegen AIDS und auf die bestmögliche Versorgung von Infizierten hinweisen. Hier ist es laut Experten der DSG wichtig, dass Mediziner auch über den Zusammenhang zwischen HIV und einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko informiert sind. So sind sie in der Lage, sowohl präventiv tätig zu werden als auch erste Anzeichen rechtzeitig zu deuten und entsprechend handeln zu können.

Laut aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts lebten in Deutschland Ende 2019 90.700 Menschen mit einer HIV-Infektion, rund 10.800 Erkrankungen davon sind noch nicht diagnostiziert. Da viele Patienten von ihrer Infektion lange nichts wissen, geben sie diese häufig unbewusst weiter – laut RKI wird etwa jede dritte AIDS-Infektion erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. „Wenn ein Neurologe einen Patienten mit Schlaganfallsymptomen – wie etwa Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen –behandelt und für den Schlaganfall keine der „üblichen“ Ursachen findet, dann sollte er auch an entzündliche und infektiologische Erkrankungen denken, zu denen auch eine noch nicht diagnostizierte HIV-Infektion zählen kann“, betont Professor Dr. med. Helmuth Steinmetz, 1. Vorsitzender der DSG. „Wenn diese frühzeitig entdeckt wird, kann eine erfolgsversprechende antiretrovirale Therapie in die Wege geleitet werden.“ Umgekehrt sei es auch empfehlenswert, einen Menschen mit HIV gezielt auf mögliche Schlaganfallrisikofaktoren hin zu untersuchen – um dann einem Hirninfarkt gegebenenfalls rechtzeitig vorbeugen zu können.

Ursachen für Schlaganfälle bei HIV-Patienten umfassen AIDS-bezogene (Opportunistische) Infektionen, eine Gefäßschädigung durch das HIV-Virus, einen Gebrauch von Drogen und klassische Gefäßrisikofaktoren. Klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen sowie Rauchen sind zudem bei HIV-Infizierten – unter anderem als Nebenwirkungen von antiretroviralen Medikamenten – weit verbreitet. Dadurch steigt auch ihr Risiko, an einem Hirninfarkt zu erkranken. Zudem haben sie durch eine beschleunigte Arterienverkalkung/-verhärtung – eine sogenannte Atherosklerose – ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, ebenso wie für Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauferkrankungen. Auch bei jungen HIV-Patienten sind diese Risikofaktoren gegenüber nicht infizierten Gleichaltrigen stärker ausgeprägt. „Um dagegen gezielt vorzugehen, kann bei einigen Patienten der Einsatz von Blutfettsenkern – den sogenannten Statinen – empfehlenswert sein“, sagt Professor Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der DSG. Zudem können auch Menschen mit HIV durch ausreichende, regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung ihr Schlaganfallrisiko senken. Raucher sollten sich darüber hinaus den Griff zur Zigarette abgewöhnen.

  

  

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Tel.: +49 (0)711 8931-295, Fax: +49 (0)711 8931-167
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