„Ich kann den Betroffenen Mut machen“: Olympia- und Para-Sportlerin Kathrin Marchand spricht auf Schlaganfallkongress über neue Perspektiven

(31.08.2026) Die Ärztin und ehemalige Olympiaruderin Kathrin Marchand erlitt vor fünf Jahren einen Schlaganfall. Heute ist die 35-jährige Kölnerin sehr erfolgreiche Para-Ruderin und Para-Skilangläuferin – unter anderem mit EM- und WM-Titeln. Sie ist die erste Athletin überhaupt, die bisher an den Olympischen und Paralympischen Sommer- und Winterspielen teilgenommen hat. Marchand weiß deshalb genau, wie lebensverändernd ein Schlaganfall ist, aber auch, was danach noch möglich ist.

Auf dem 2. Deutschen Schlaganfallkongress, dem DSG26, in Berlin wird sie vor rund 1.000 Ärzten, Fachpflegenden und Therapeuten über Einschränkungen im Alltag, über Sport, Rehabilitation und Rückschläge sprechen – aber auch darüber, warum es sich lohnt, immer weiterzumachen.

Kathrin Marchand saß 2021 auf dem Spinning-Rad, als plötzlich ihre linke Körperhälfte taub wurde und ihr Gesichtsfeld eingeschränkt war. „Als Ärztin erkannte ich die Symptome schnell: Plötzlich auftretende neurologische Ausfälle ließen mich an einen Schlaganfall denken. Als Mensch dachte ich gleichzeitig: Das kann doch nicht sein. Ich bin jung, gesund und sportlich“, erinnert sie sich.

Die Folgen sind für Außenstehende bis heute nur schwer zu erkennen. Marchand hat unter anderem einen visuellen Neglect: Obwohl sie weiß, dass sie die linke Seite ihres Gesichtsfelds nicht richtig wahrnimmt, vergisst sie immer wieder, diese Seite zu berücksichtigen. Auch ihre linke Körperhälfte fühlt sich anders an: Kraft ist grundsätzlich vorhanden, doch Ansteuerung und Rückmeldung aus dem Körper funktionieren nicht mehr wie vor dem Schlaganfall. Hinzu kommen Einschränkungen bei Konzentration, Belastbarkeit und der Verarbeitung schneller Bewegungen.

Von der Olympiaruderin zur Para-Ruderin und Para-Skilangläuferin

Aber: „Ich kann den Betroffenen Mut machen“, sagt Marchand heute. Ihre zentrale Botschaft richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an Ärzte, Therapeuten sowie alle, die Menschen nach einem Schlaganfall begleiten. „Es muss nicht alles wieder so werden wie vorher, aber es kann trotzdem weitergehen. Man kann neue Dinge finden, die einem Freude machen und an denen man sich festhalten kann.“

Bei Marchand war das zunächst der Weg zurück in den Leistungssport. Vor dem Schlaganfall hatte sie als Ruderin bereits Erfolge bei den Olympischen Spielen 2012 und 2016 sowie bei Europameisterschaften, gewann unter anderem 2013 und 2016 jeweils eine Silbermedaille. Nach ihrer Erkrankung arbeitete sie sich Schritt für Schritt zurück. Seit 2022 gewann sie mehrere Medaillen bei den Europa- und Weltmeisterschaften im Para-Rudern. Ende 2024 fokussierte sich die Erfolgsverwöhnte zusätzlich auf den Para-Skilanglauf. Nur rund 14 Monate Training später qualifizierte sie sich für die Paralympischen Winterspiele 2026 in Italien. Damit schrieb sie Sportgeschichte: Sie ist die erste Athletin überhaupt, die bei Olympischen und Paralympischen Sommer- und Winterspielen an den Start ging!

Es gilt herauszufinden: Was ist wieder möglich?

Marchands Geschichte ist kein Plädoyer dafür, nach einem Schlaganfall Leistungssport betreiben zu müssen. „Es geht darum, herauszufinden, was für die Einzelne bzw. den Einzelnen wieder möglich ist. Das kann Sport sein, aber genauso ein Beruf, ein Hobby oder ein anderes persönliches Ziel.“ Für sie ist der Sport etwas, woran sie sich festhalten kann. Er hilft ihr, ihren Körper neu einzuschätzen, mit Belastungen umzugehen und wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Auch beruflich hat sich ihr Weg verändert. Ihre ursprünglichen Pläne – unter anderem eine Karriere als Kardiologin – sind nach dem Schlaganfall in weite Ferne gerückt. Heute arbeitet Marchand in der Orthopädie und möchte langfristig ihren Facharzt für Allgemeinmedizin machen. Der Weg ist ein anderer als ursprünglich gedacht, aber dafür hat sich eine neue Perspektive eröffnet.

„Es geht nicht darum, nach einem Schlaganfall wieder genau der Mensch zu werden, der man vorher war“, weiß die Kölnerin. „Aber das Leben nach einem Schlaganfall kann gut und erfolgreich weitergehen.“

Ihre eigene Geschichte zeigt, wie weit dieser Weg führen kann.

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