Crew Resource Management: Bessere Teamkommunikation kann Schlaganfallversorgung stärken

Gute Schlaganfallmedizin hängt nicht nur von moderner Diagnostik und Therapie ab, sondern auch davon, wie das Team im Klinikalltag zusammenarbeitet. Crew Resource Management (CRM), lautet das Stichwort. Wie gute Kommunikation, klare Abläufe und regelmäßige Teamtrainings dabei helfen können, Fehler zu vermeiden und die Versorgung von Patienten zu verbessern, ist deshalb eines der Schwerpunktthemen auf dem Deutschen Schlaganfallkongress DSG26, der vom 10. bis 13. September in Berlin stattfindet. „Simulationen schaffen Aufmerksamkeit für Abläufe und Schwachstellen – und zwar bevor im echten Notfall Probleme entstehen“, ist DSG-Präsidentin Prof. Waltraud Pfeilschifter, die einen Teil des Symposiums moderiert, überzeugt. Gemäß des interdisziplinären und multiprofessionellen Teamgedankens ist zudem Notfallsanitäter und Arbeitspsychologe Sascha Langewand vom Institut für Patientensicherheit und Teamtraining (InPASS) als wissenschaftlicher Leiter mit an Bord.

Crew Resource Management stammt ursprünglich aus der Luftfahrt und beschreibt Strategien für sichere Teamkommunikation, strukturierte Entscheidungsprozesse und den professionellen Umgang mit Fehlern in komplexen Situationen. In der Medizin gewinnt dieses Konzept zunehmend an Bedeutung – vor allem in der Schlaganfallversorgung, wo interprofessionelle Teams unter hohem Zeitdruck arbeiten. „Es geht nicht um abstrakte Kommunikationstheorie, sondern um sehr praktische Werkzeuge: klare Rollenverteilung, geschlossene Kommunikationsschleifen, strukturierte Übergaben, gemeinsame mentale Modelle und kurze Team-Stopps wie die 10-für-10-Mikropause“, erklärt Langewand. CRM-Tools seien im klinischen Alltag unmittelbar anwendbar – etwa bei der Stroke-Alarmierung, im CT, bei der Entscheidung zur Lyse oder Thrombektomie oder bei Übergaben zwischen Fachbereichen.

Team-Trainings als Best Practices aus dem deutschen Klinikalltag

Konkrete Teamtrainings und praktische Umsetzungsbeispiele aus deutschen Kliniken stehen in dem Symposium ebenfalls im Fokus. „Viele denken bei Teamtrainings sofort an aufwendige Simulationszentren“, sagt DSG-Präsidentin Pfeilschifter. „Dabei können schon regelmäßige, gut strukturierte Übungen mit überschaubarem Aufwand große Verbesserungen im Klinikalltag bewirken.“ Wichtig seien vor allem Kontinuität und gemeinsame Nachbesprechungen, weiß die Chefärztin der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie der Städtischen Klinikum Lüneburg aus eigener Erfahrung.
Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen stellt sie deshalb verschiedene erfolgreiche Best-Practice-Konzepte aus der Schlaganfallversorgung vor, etwa für Notfallsituationen auf Stroke Units oder die strukturierte Kommunikation bei der Aufnahme von Schlaganfallpatienten.

Das Symposium richtet sich an Mitarbeitende aller Berufsgruppen in der akuten Schlaganfallversorgung: Dazu gehören insbesondere Ärztinnen und Ärzte aus Neurologie, Notaufnahme, Radiologie, Neuroradiologie, Anästhesie und Intensivmedizin, aber auch Pflegefachpersonen, MTR/MTRA, Rettungsdienst, Stroke Nurses, Koordinatorinnen und Koordinatoren sowie Führungskräfte klinischer Behandlungsteams.

Weitere Informationen unter www.dsg-info.de/kongress

Fotos: Klinikum Lüneburg (Fotograf Andreas Tamme) und InSIM

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