Spastik nach Schlaganfall: Langfristige Folgen stärker in den Blick nehmen

(18.08.2026) Die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Doch was passiert nach der Entlassung aus der Stroke Unit? Welche langfristigen Einschränkungen bleiben bestehen – und wie können Betroffene bestmöglich unterstützt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Veranstaltung Schlaganfallnachsorge Spastik auf dem 2. Deutschen Schlaganfallkongress, dem DSG26, vom 10. bis 12. September in Berlin. Im Mittelpunkt steht dabei eine häufige, aber oft unterschätzte Folge eines Schlaganfalls: die Spastik.

„Spastik ist für viele Betroffene eine erhebliche Belastung im Alltag. Trotzdem wird das Thema häufig erst dann wahrgenommen, wenn die akute Behandlung längst abgeschlossen ist“, sagt die Kongresssekretärin Pflege, Sabrina Geiermann. Die Stationsleitung der Stroke Unit am Universitätsklinikum Essen leitet die Veranstaltung zusammen mit Prof. Stephan Klebe, Chefarzt der Klinik für Neurologie, Stroke Unit und Frührehabilitation der Knappschaft Kliniken Vest in Recklinghausen und Marl. Eine Spastik kann bereits früh nach einem Schlaganfall auftreten und Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen. Umso wichtiger sei es, Betroffene und Behandelnde frühzeitig für mögliche Symptome und Behandlungsoptionen zu sensibilisieren.

Genau hier setzt die Veranstaltung an. Sie beleuchtet aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, stellt die Versorgungssituation in Deutschland vor und richtet den Blick auf die Erfahrungen von Patienten im Alltag. „In der Akutmedizin konzentrieren wir uns verständlicherweise auf schnelle Diagnostik und Therapie. Gleichzeitig dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, welche Herausforderungen Menschen nach dem Schlaganfall langfristig begleiten“, betont Stephan Klebe.

Von Leitlinien bis zur Lebensrealität
Das Programm ist bewusst interdisziplinär aufgebaut. Zunächst werden Grundlagen, Definitionen und aktuelle Empfehlungen zur Behandlung der Spastik vorgestellt. Anschließend geht es bei Dr. Albrecht Günter, Oberarzt in der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Jena, um die Frage, wie die Versorgung in Deutschland tatsächlich aussieht und an welchen Stellen Betroffene möglicherweise nicht die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Einen wichtigen Beitrag liefert dabei auch die Perspektive der Schlaganfall-Nachsorge. Lena Graßkemper, Projektmanagerin für Schlaganfall-Lotsen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, bringt Erfahrungen aus der Begleitung von Betroffenen und Angehörigen im Alltag ein. „Wir möchten die Brücke schlagen zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Realität der Patientinnen und Patienten“, erklärt Geiermann. „Viele Menschen wissen gar nicht, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.“

Diskussion über Herausforderungen und Lösungsansätze
Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion mit den Referierenden und dem Publikum. Dabei sollen Erfahrungen aus der Praxis, bestehende Versorgungshürden und mögliche Verbesserungsansätze gemeinsam diskutiert werden. „Gerade der Austausch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen ist enorm wertvoll“, sagt Professor Klebe. „Nur wenn wir die Perspektiven von Pflege, Therapie, Medizin und Nachsorge zusammenbringen, können wir die Versorgung von Menschen mit Spastik nachhaltig verbessern.“

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Pflegefachpersonen auf Stroke Units und in Rehabilitationseinrichtungen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten sowie Ärzte. Angesprochen sind aber grundsätzlich alle Berufsgruppen, die an der Behandlung und Nachsorge von Schlaganfallpatienten beteiligt sind.

Weitere Informationen unter dsg-info.de/kongress

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